Gymnasium
Bruchhausen-Vilsen

Aktuelles

57 Abiturienten verabschiedet: Der letzte Vorhang fällt

Der Abschlussjahrgang ist wie eine „bunte Tüte“, wie es sie in Freibädern gibt. Diesen Vergleich zogen die Abiturientinnen Jana Bormann, Svea Feldmann und Finja Osterholz gestern während der Entlassungsfeier des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen. Von außen scheine die Tüte langweilig, darin finde sich jedoch eine bunte Vielfalt. Jede Süßigkeit könne auf die vergangene Schulzeit übertragen werden: saure Würmer stehen für den Klatsch, Cola-Flaschen symbolisieren das Trinkverhalten und Schnuller die Faulheit, erklärten die Jahrgangssprecherinnen. Zudem nutzten sie die Gelegenheit, sich mit Blumen bei den Hausmeistern, den Sekretärinnen und den Mitgliedern der Schulleitung zu bedanken, bevor sie für die Zeugnisübergabe ein letztes Mal als Schüler die Bühne betraten.

Als neue Fünftklässler waren sie im Jahr 2011 im Forum des Schulzentrums begrüßt worden. Gestern, acht Jahre später, versammelten sich die Gymnasiasten wieder dort. „Es ist das letzte Mal, dass ihr hier als Schüler sitzt“, sagte Lisa Peitzmeier-Stoffregen an die 57 Absolventen gewandt. Für sie hingegen war es die erste Abschlussfeier, die sie als Schulleiterin eröffnete.

Mit Blick auf das diesjährige Abimotto – „Circus Abigalli, das letzte Mal Showtime bis zwölf“ – fragte Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann: „Wie kommen Sie bei Ihrer Mottowahl auf einen Zirkus?“ Und lieferte seine persönliche Erklärung gleich hinterher: Vor langer Zeit war es, als die „Abigalli“-Stars im Zirkus namens Schule erschienen. An der Seite des Direktors „Reinhardo“, dem ehemaligen Schulleiter Reinhard Heinrichs, stand damals noch die Programmdirektorin „Lisa Peitzini“. Später übernahm „Peitzini“ alisa Lisa Peitzmeier-Stoffregen die Aufgaben des Direktors. Die „Abigalli“-Stars kämen aus Agenturen, „das sind kleine Familienbetriebe“, sagte Bormann. Diese würden bei der Ausbildung ihrer Stars oft mächtig draufzahlen und müssten die Starallüren und Exzesse der Jugendlichen ertragen. Weiter führte Bormann aus: Manche Stars verließen den Zirkus, neue Artisten kamen hinzu. Dann ging es schließlich ins zweijährige Intensivtraining mit „Don Daniel Hüman“ (Oberstufenkoodinator Daniel Heymann). Während der gesamten Zeit standen den Stars die Harlekins, ihre Lehrer, beiseite. Sie förderten die Talente ihrer Stars stets. Aus diesen hätten sich Sportler, Tänzer, Musiker und Diplomaten entwickelt. Der wichtigste Ort im Zirkus sei das Kassenhäuschen. Dort gebe es unter anderem Eintrittskarten, dort sei das Kommunikationszentrum, dort liefen alle Fäden zusammen. Ohne die vielen Zauberer und Feen (Schulsekretärinnen und Hausmeister) würde der Zirkus nicht funktionieren. Obwohl die Mannschaft nun auf Tournee gehen könnte, stehe am Ende der Ausbildung nur eine große Vorstellung. Denn: „Nach der Zeugnisvergabe schließt sich ein letztes Mal der Vorhang im ,Circus Abigalli‘.“ Von da an seien die Stars für das Programm des Zirkuslebens selbst verantwortlich. Der Wunsch des Samtgemeindebürgermeisters: Dass sich die Stars wieder in der Samtgemeinde niederlassen.

Das Abimotto lud zum längeren Nachdenken ein, sagte Lisa Peitzmeier-Stoffregen, bevor sie ihre Gedanken zu einzelnen Passagen des Mottos mit den Anwesenden teilte. So beispielsweise die des Worts Halligalli. Dieses komme aus dem englischen Sprachbereich und bedeute so viel wie „drunter und drüber“. Das sei in Bezug auf die vergangenen Schuljahre sicherlich passend, meinte die Schulleiterin. Trotz oder gerade wegen dieses Halligalli lernten die Gymnasiasten Teamgeist und Stressresistenz. Die Passage „Showtime bis zwölf“ meine nicht etwa eine Sperrstunde, sondern vielmehr die G8-Regelung, also das Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe. „Ihr schreibt heute Geschichte“, sagte Peitzmeier-Stoffregen. „Wenn hier der Vorhang fällt, ist das G8-Abi Geschichte.“ Das Abitur öffne Türen – ob für die Hochschule, die Universtät oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, zählte die Schulleiterin auf. „Jetzt gilt es, durch diese Türen zu gehen.“

Dirk Aue vom Schulelternrat erzählte eine Geschichte vom Esel. Dieser war in einen Brunnen gefallen und sollte dort lebendig begraben werden. Der Sand und die Erde, die die Menschen auf das Tier schaufelten, schüttelte es von sich und trat den Boden fest. So befreite der Esel sich aus der Situation. Aue gab den Ehemaligen mit auf den Weg, Situationen nie als unveränderbar anzusehen. Wichtig seien Beharrlichkeit, Durchsetzungskraft und Wille.

Zahlreiche Aufführungen bereicherten die Entlassungsfeier. „Abi, Abi, wirft die Bücher alle raus, denn die Schule ist jetzt aus“, sangen die Eltern der Absolventen zur Melodie des Titels „Moskau“ von Dschinghis Khan. Sie versammelten sich ebenso auf der Bühne wie zahlreiche Schüler, darunter Philomena Steinbach, die am Klavier „Le Onde“ von Ludovico Einaudi spielte, Lene Clausen, Kira Maier und Emil Brümmer, die „Look what I found“ von Lady Gaga präsentierten, „Golden Silver“ mit Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“ sowie „Tuesday“, die „Holiday“ von Green Day darbot. Nach der Feier im Forum gab es einen Sektempfang, davor hatte es einen Gottesdienst in der Brokser Kirche gegeben.

Quelle: https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/bruchhausen-vilsen-ort52437/letzte-vorhang-faellt-12749136.html