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Bruchhausen-Vilsen

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Ein Zeichen gesetzt - „Turn Up 4 Tolerance“: Vier Bands begeistern rund 400 Besucher

„Gegen Rassismus, gegen Homophobie, gegen Sexismus, gegen anderweitige ausgrenzende Ideologien und für Toleranz.“ Mit diesen Worten eröffnete Referendar Patrick Mühlmeister, assistiert von Schüler Lennart Coors, am Samstagabend das nach 2017 zweite „Turn Up 4 Tolerance“-Konzert in der Mensahalle des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen.

Spaß an der Musik zu haben und gleichzeitig ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und ein empathisches Miteinander zu setzen, war das erklärte Ziel dieses erneut von der AG „Schule ohne Rassismus“ des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen organisierten und von der Samtgemeinde, zahlreichen regionalen Sponsoren sowie dem Landschaftsverband Weser-Hunte unterstützten Events.

Nachdem die Premiere im Frühjahr 2017 ein voller Erfolg war, freuten sich die von Lehrer Tim Schöning, Imke Winkelmann und Patrick Mühlmeister maßgeblich begleiteten Organisatoren, nunmehr ein weiteres Konzert veranstalten zu können. Dieses schien zunächst nicht sicher, hatten doch fast alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft im vergangenen Jahr Abitur gemacht. Im neuen Schuljahr arbeiteten nun jedoch wieder insgesamt 18 Schüler der Klassen sechs bis zwölf an der Konzertvorbereitung. „Wir sind total glücklich, dass wir das erneut machen können“ hatte Mitorganisatorin Finia Osterholz bereits im Vorfeld betont. Man sei sich einig: „Bruchhausen-Vilsen ist kein Ort für rechtsextreme und fremdenfeindliche Umtriebe - hier wird eine Toleranz gelebt, die das Miteinander der Menschen trägt und bereichert. Offenheit und die Chance auf positive Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse sind dafür der Schlüssel.“

Gerade weil rechtsextreme Gruppierungen auch darauf zielen, für Jugendliche und junge Heranwachsende eine „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ zu erschaffen, sind den Gymnasiasten Freizeitangebote wie das jetzige Konzert wichtig, die vom Geist der freiheitlich-demokratischen Grundordnung getragen werden und deren Werte vermitteln, so die hochmotivierten und erwartungsfrohen Organisatoren.

Durch die von außen kommende Unterstützung, mit der das Engagement der Schüler in besonderer Weise gewürdigt wurde, war es einerseits möglich, hochwertige Bands zu engagieren und andererseits einen schülerfreundlichen Eintrittspreis von drei Euro im Vorverkauf und fünf Euro an der Abendkasse zu gewährleisten, sagte Betreuungslehrer Schöning.

Den musikalischen Auftakt machte die Bremer Gruppe „Boranbay“, die unter anderem auch mit ihrer letztjährigen Debütsingle „Monster“ die rund 400 meist jugendlichen Besucher sofort mitriss. Die jungen Wilden von „Boranbay“, das sind Leadsänger und Gitarrist Yasin Lucas, Arved Wehling (Gitarre, Gesang), Moritz O’Swald (Bass, Gesang) und Simon Raschen (Schlagzeug, Gesang). Mit ihren nach eigenen Worten unpolitischen Texten besingen sie eher persönliche Befindlichkeiten und schöpfen dabei nicht selten aus dem musikalischen Fundus des Rock’n’Roll und Funks der 70er- und 80er-Jahre. Im vergangenen Jahr erfolgten die ersten Festival-Auftritte und außerdem schaffte die Band es bis ins Finale des renommierten Bandcontests „Live in Bremen“.

Mit „Faakmarwin“ kam auch die nächste Gruppe aus der Hansestadt. Mit ihrer Liveshow und dem auf Indie-Rock und Popmelos prallenden deutschen Rap begeisterten sie das Publikum restlos und forderten zur Zugabe heraus. Als sich dann noch Leadsänger Alex Skipka mittels einer Holzplatte auf den Händen der Zuschauer durch die Halle tragen ließ, hatte die Veranstaltung ihren ersten Höhepunkt erreicht.

Harter Sound und klare Worte waren dann bei der aus Berlin angereisten Band „Kafvka“ angesagt. Mit ihren knallharten Riffs und Beats musikalisch unverkennbar den 90er-Jahren nahestehend, bekannte sich die 2013 formierte Crossover-Band um den Frontsänger und Rapper Jonas Kokoschka mit beißender Gesellschaftskritik, etwa in den Stücken „Lampedusa“ und „Bist du bereit?“, ausdrücklich zu dem eingangs genannten Motto dieses Konzerts. Wie im Übrigen auch bei den drei anderen Gruppen, war ihr Auftritt von Lichteffekten begleitet.

Mehrere Stunden harrten die meisten Konzertbesucher aus, um als krönenden Abschluss die Berliner Punkrock-Band „Radio Havanna“ zu erleben. Unterlegt von lauten Gitarren und wummernden Bass nehmen sie nach eigenen Angaben kein Blatt vor dem Mund und nennen Probleme beim Namen. Leider waren ihre Texte aufgrund einer fast schon ohrenbetäubenden Lautstärke kaum noch zu verstehen.

Im Rahmenprogramm präsentierten zahlreiche Organisationen, die sich unter anderem für Integration, Jugendarbeit, soziales Engagement und nicht zuletzt demokratische Werte einsetzen, im Foyer ihre Arbeit. In den jeweiligen Umbaupausen nutzten das Bündnis „Wir sind mehr im Landkreis Diepholz“ und die Bremer Aktionsgruppe „Seebrücke“ die Möglichkeit, sich und ihre Projekte auch von der Bühne aus vorzustellen.

Die Organisatoren zeigten sich mit dem Verlauf und der Akzeptanz der sehr gelungenen Veranstaltung dann auch mehr als zufrieden und dankten allen Beteiligten für ihr beeindruckendes Engagement. Die monatelangen Vorbereitungen hätten sich jedenfalls gelohnt, zumal man der eigentlichen Vorgabe, deutliche Positionen zu beziehen und Zeichen zu setzen, voll und ganz nachgekommen sei.

Quelle: https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/bruchhausen-vilsen-ort52437/zeichen-gesetzt-11543839.html