Gymnasium
Bruchhausen-Vilsen

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Mit Piraterie auf den ersten Platz

Was haben Piraterie, Nährstoffmangel und Plattdeutsch gemeinsam? Alle Themen wurden von Schülern des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen jeweils in Seminararbeiten behandelt und am 13.11.2017 in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Vilsen prämiert.
Herbert Fritzsche, Geschäftsstellenleiter der Kreissparkasse Vilsen, hatte für Fabio, Lara und Maybrit nur Worte des Lobes über. Am Ende konnte es nur einen Sieger geben – und der hieß ...

„Hochinteressante Arbeiten mit tollen Themen und einer unheimlichen Vielfalt.“ Herbert Fritzsche konnte sich gar nicht zurückhalten und verriet bereitwillig, dass er sich über viele Aspekte der Arbeiten noch nie richtig Gedanken gemacht hat. „Wir hatten sehr viel Spaß, die Arbeiten zu lesen. Und es war spannend, sich danach darüber zu unterhalten“, attestierte er. Reinhard Heinrichs, Schulleiter der Brokser Bildungseinrichtung, stellte fest, dass sich die Leistungsbreite der Arbeiten im Laufe der vergangenen Jahre stetig steigerte. „Sowohl im inhaltlichen als auch im formalen Bereich.“ Seit acht Jahren erstellen die Schüler der elften Klassen des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen Seminararbeiten zu selbst ausgewählten Themen. Diese werden von einer Jury aus Lehrern und der kooperierenden Kreissparkasse Vilsen bewertet. Neun Arbeiten schafften es in die engere Auswahl, drei auf das Siegertreppchen.

Über den dritten Platz und 100 Euro darf sich Lara freuen. Die Martfelderin überzeugte mit ihrer umfassenden Arbeit. „Vielleicht sogar in manchen Teilen zu umfassend“, merkte Daniel Heymann vom Gymnasium Bruchhausen-Vilsen an. Er lobte ihren Ansatz, auf ein Thema aufmerksam zu machen, dass vielen so gar nicht bekannt sein könnte. In „Unsichtbarer Hunger“ widmet sich Lara dem Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin A oder Eisen. Diese müssen supplementiert werden, da der Körper sie nicht selber bilden kann. Doch dafür würden vielen Menschen gerade in ärmeren Ländern die Möglichkeiten fehlen. In Afrika oder Südostasien dominieren Grundnahrungsmittel wie Reis, die vor allem Kalorien und Energie liefern. „Dadurch, dass sie nicht unterernährt aussehen, kommt es zum Trugschluss, dass sie gut ernährt sind“, erklärte Lara. Die Folgen: Entwicklungsstörungen und eine höhere Sterberate bei Kindern. Doch auch in Deutschland können sich viele keine ausgewogene Ernährung leisten. Eine Lösung könnte nach Lara der „goldene Reis“ sein, den Wissenschaftler entwickelt haben: „Der Reis wurde extra gezüchtet und ist mit Betacarotin angereichert. Das kann der Körper in Vitamin A umwandeln.“ Allerdings sei der noch nicht komplett erforscht und marktreif.

Reinhard Heinrichs beglückwünschte Maybrit zum zweiten, mit 200 Euro dotierten Platz: „Wir haben uns darüber gefreut, dass sich eine Schülerin mit dem Thema Sprache beschäftigt hat. Und dann auch noch mit einem regionalen Bezug.“ In „Niederdeutsch im Niedergang?“ hat sich die jetzige Zwölftklässlerin mit dem historischen Hintergrund der Sprache bis hin zum Sprachverfall auseinandergesetzt. Dafür hat Maybrit auch ein Interview mit Christiane Ehlers vom Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen organisiert. „Ich habe geschaut, wie viele Menschen im norddeutschen Raum Plattdeutsch verstehen oder selber sprechen“, beschreibt Maybrit. Im Ergebnis hat die Schülerin herausgefunden, dass vorwiegend ältere Mitmenschen des Platts mächtig sind. Für viele sicher keine Überraschung, aber: „Es gibt bei den rund 20-Jährigen einen kleinen Aufschwung.“ Das sind für die Schülerin auch Anzeichen dafür, dass Bemühungen, wie Niederdeutsch als Abiturfach in manchen Bundesländern zuzulassen, erste Früchte tragen. Empfehlungen, wie man diese Erkenntnis nutzen könnte, flossen ebenso in ihre Arbeit ein. Wegweiser auf Niederdeutsch könnten dabei helfen, plattdeutsche Begriffe in den Alltag einzubinden. „Oder die Sprache durch Bildung fördern in Form von Arbeitsgruppen in der Schule oder einer Unterrichtseinheit auf Platt“, regte Maybrit an.

Als glücklicher Erster und 300 Euro reicher ging Fabio aus der Preisverleihung. „Fabio ist es gelungen, den instabilen Staat Somalia und die Problematik der Piraterie auf eine lesefreundliche und dennoch wissenschaftliche fundierte Art und Weise darzulegen“, schwärmte die stellvertretende Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen. Der Martfelder lieferte 15 Seiten zum Thema „Moderne Piraterie am Beispiel Somalia“. „Hochseefischer und andere Industrieflotten haben das Machtvakuum in Somalia ausgenutzt und die Fischgründe für ihre eigenen kommerziellen Zwecke ausgebeutet“, skizziert er. Dadurch hätten sie den Einheimischen die Basis zur eigenen Ernährung genommen und sie quasi zur Piraterie „gezwungen“. Da sie aber mittlerweile in vielen Regionen einen großen Teil der wirtschaftlichen Einnahmen ausmachen, würde die Politik aber nicht dagegen angehen. Dementsprechend modern sind die Piraten heute ausgerüstet, wie Fabio berichten kann: „Die haben Schnellboote und kapern vor ihren ,Missionen' Mutterschiffe.“

Die drei Seminararbeiten werden jetzt Einzug in die Schulbibliothek halten und die Sammlung der Werke der vergangenen sieben Jahre ergänzen. „Dort bleiben sie zur Ansicht für alle anderen Schüler erhalten“, sagt Lisa Peitzmeyer. Die Seminararbeiten haben die drei Schüler aber auch persönlich weitergebracht. Maybrit freut sich über die neu gelernten Begriffe und Erfahrungen im Führen von Interviews. „Und das wissenschaftliche Schreiben ist sicher für alle neu gewesen. Aber das war ja auch der Sinn und Zweck der Seminarbeit“, erzählt sie. Lara hat gelernt, welche Folgen eine fehlerhafte Ernährung haben kann, dass auch Deutschland davon betroffen ist und wie sich das Verhalten der Industrieländer auf ärmere Nationen auswirkt. „Und ich achte mehr auf mein eigenes Essen“, fügt sie an. Und der Erstplatzierte Fabio hat die Erfahrung gemacht, dass sich Vorbereitung sprichwörtlich bezahlt machen kann. Schmunzelnd gibt er zu: „Es hat sich gelohnt, Zeit zu investieren, bevor man anfängt zu schreiben. Auch wenn ich das sonst nicht immer unbedingt mache.“

Quelle: www.weser-kurier.de