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Der Syker Kurier berichtet über unsere EU-Prokekttage

Gymnasium Bruchhausen-Vilsen: Schüler entdecken Europa bei Projekttag

Europa-Projekttage: Wie Schüler in Bruchhausen-Vilsen den Kontinent jenseits des Unterrichts kennenlernen.


Bruchhausen-Vilsen. Mitten in der hektischen Schulroutine bot sich den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen in den vergangenen zwei Tagen eine besondere Gelegenheit, Europa kennenzulernen. Ein Kontinent, der nicht nur geografisch, sondern auch kulturell und politisch so reichhaltig ist. Die Europa-Projekttage am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen sind keine gewöhnlichen Unterrichtstage. Sie sind vielmehr ein lebendiges Panorama der europäischen Vielfalt, das die Schülerinnen und Schüler dazu einlädt, sich mit den unterschiedlichsten Facetten Europas auseinanderzusetzen.

WAS SIND DIE EUROPA-PROJEKTTAGE?
Seit 2007 gibt es diesen Projekttag. Er ging aus der damaligen deutschen EU-Ratspräsidentschaft hervor und wurde zu einem Erfolgsmodell. Seitdem besuchen Politikerinnen und Politiker bundesweit Schulen – von Kabinettsmitgliedern bis hin zu Landes- und Europa-Parlamentariern. "Normalerweise finden die Projekttage im März statt", berichtet Sebastian Sander, Fachobmann für Politik am Vilser Gymnasium. Hier hatte man sich jedoch dazu entschieden, die Projekttage am 15. und 16. Februar stattfinden zu lassen. Als politischer Gast war der hiesige Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig (CDU) eingeladen.

WORUM GEHT ES BEI DEN PROJEKTTAGEN?
"Wir wollen den Schülern zeigen, was Europa und die Europäische Union sind, wie sie funktionieren und wie vielfältig sie sind", erklärt Sander. Besonders in diesem Jahr nehme das Thema Europa einen wichtigen Raum ein, denn die Europawahl steht vor der Tür. "Viele unserer Schüler sind Erstwähler", sagt Sander. Zudem wird in diesem Jahr das deutsche Grundgesetz 75 Jahre alt. Nicht zuletzt seien es auch die aktuellen Entwicklungen, die eine Auseinandersetzung mit dem Thema Europa notwendig machen.
Um dies alters- und interessengerecht zu gestalten, setzt das Kollegium auf Projekte, die klassen- und jahrgangsübergreifend ausgerichtet sind. In kleineren Projektgruppen haben sich die Schüler unterschiedlichen Themen gewidmet. So lernten die Klassen fünf bis sieben zunächst etwa die Mitgliedsstaaten kennen, erarbeiteten Steckbriefe, erfuhren mehr über Feste und Bräuche der Länder, spielten Gesellschaftsspiele mit Europa-Bezug oder behandelten die sportliche Vielfalt in der EU.
Die Projekte der Mittelstufe, also der Klassen acht bis zehn, gingen da schon etwas tiefgreifender. So behandelten die Schule unter anderem Fördermaßnahmen zur Infrastruktur der EU, den "Comunidades Autónomas" (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern) in Spanien, der deutsch-französischen Beziehungen oder auch, wie die EU den Alltag beeinflusst.
Nicht minder vielfältig waren auch die Projekte, die in der Oberstufe stattfanden. Thema waren hier beispielsweise das Werk "Die Physiker" und Friedrich Dürrenmatt, das den Ost-West-Konflikt im 20. Jahrhundert behandelte, europäische Werte, Monarchien in Europa, ein Planspiel oder auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des Kontinents.
Während die meisten Projekte von den Lehrkräften begleitet wurden, haben die Zwölftklässler Philomena Steinbach und Benno Grots ein eigenes Projekt organisiert, einen Europa-Audio-Guide. "Dafür haben wir uns verschiedene europäische Städte herausgesucht, die wir vorstellen", erklärt Steinbach. Wichtig war es ihnen dabei, nicht unbedingt die Hauptstädte auszuwählen, sondern auch kleinere oder unbekanntere. Neben einem Plakat hat die Projektgruppe für jede Stadt einen Audioguide erstellt, in dem sie die Stadt in wenigen Minuten präsentieren. "Dazu gibt es auch jeweils einen Funfact", sagt Grots.

WIE "POLITIKVERDROSSEN" SIND DIE JUGENDLICHEN?
Philomena Steinbach und Benno Grots haben dazu eine deutliche Antwort: "Dem Stigma stimmen wir nicht zu." Auch die Pädagogen Sebastian Sander und Daniel Heymann empfinden, dass ihre Schüler an politischen Themen deutlich interessiert sind. "Man muss die Schüler aber auch da abholen, wo sie sind und ihre Sorgen ernst nehmen", sagt Sander. Sie nähmen aber auch die aktuellen Entwicklungen wahr: Das Erstarken der AfD hätte beispielsweise viele der Jugendlichen erschreckt.
Bei vielen wecke aber auch die Europawahl das politische Interesse, denn das Wahlalter wurde in Deutschland auf 16 Jahre herabgesetzt. Das Beschäftigen mit Europa hat für Daniel Heymann aber einen deutlichen Vorteil: "Die Schüler sehen, dass Jugendliche aus anderen Ländern die gleichen Interessen und Sorgen haben. Für die beiden Politiklehrer haben die Projekttage daher ein Ziel: Die Schüler zu mündigen Bürgern "zu erziehen", die sich als Europäer verstehen.

WARUM UNTERSTÜTZT AXEL KNOERIG DIE PROJEKTTAGE?
Im Zuge der Projekttage hat Knoerig die verschiedenen Projektgruppen besucht und mit den Schülern auch diskutiert – und das mit großer Freude. "Es ist zwar schwer in den Lehrplan zu integrieren, aber ich komme gerne in die Schule", sagt er. Er freue sich, zu sehen, dass junge Menschen sich für Politik begeistern, aber auch für das Konzept der Europäischen Union. "Ich finde es bezeichnend, dass man sich in der EU überall niederlassen und ausbilden, aber auch studieren kann. Im Grunde ist Europa ein ganz großer Staat." Für die Schüler sei der Besuch des Bundestagsabgeordneten ein großer Gewinn, finden Philomena Steinbach und Benno Grots: "So können wir in den politischen Diskurs einsteigen."

Verfasser: Ivonne Wolfgramm (Redakteurin beim Syker Kurier), 16.02.2024

Quelle: https://www.weser-kurier.de/landkreis-diepholz/europa-projekttage-am-gymnasium-bruchhausen-vilsen-doc7u60i1q55e121p8ie16