Konzeptentwurf für die Sprachlernklasse

Leitidee:

Das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen ist eine weltoffene und humanistische Schule. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Integration von Menschen mit Migrationshintergründen nehmen Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern positiv an.
Dieses Konzept wird als Weg und Ziel verstanden, deshalb wird es fortlaufend entwickelt, evaluiert und überarbeitet.

Ziel:

Die Sprachlernklasse (SpKl) wurde im Frühjahr 2016 eingerichtet, um Schüler/innen nichtdeutscher Herkunftssprache Unterstützung auf ihrem Weg in das deutsche Schulsystem zu geben und ihnen das Erreichen des für sie bestmöglichen Bildungsabschlusses zu ermöglichen. Der gesteuerte und systematische Spracherwerb in Deutsch als Zweitsprache, der es ihnen ermöglicht, ausgehend von der Alltagskommunikation zunehmend fach- bzw. bildungssprachliche Kompetenzen zu entwickeln, hat Priorität. Somit wird die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht und eine erfolgreiche Integration geschaffen.
Ziel ist das Erreichen der Niveaustufe A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen, wobei die Niveaustufe B1 für jüngere Schüler/innen angestrebt wird.

Der Unterricht in der SpKl findet gemäß der „Rahmenrichtlinien Deutsch als Zweitsprache“ des Niedersächsischen Kultusministeriums und dem Erlass „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ statt.
Die SpKl ist mehr als nur DaZ-Unterricht – sie ist eine zweite Heimat neben dem Besuch in der Gastklasse und bietet den Schüler/innen die Möglichkeit, andere Kinder und Jugendliche mit internationalem Hintergrund kennenzulernen.

Ausgangssituation:

Die Samtgemeinde weist seit dem Frühjahr 2016 die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen der Sekundarstufe I, welche in der Gemeinde aufgenommen werden, vollständig dem Gymnasium zu. Fortlaufend ist mit weiteren Schüler/innen zu rechnen.
Die Flüchtlingsfamilien stammen bisher aus Afghanistan, dem Irak und Syrien und verfügen über sehr unterschiedlichen Schulerfahrungen und Sprachkenntnisse.

Arbeitsgruppe Sprachlernklasse:

Die Arbeitsgruppe setzt sich aktuell aus einer Kollegin mit Daz-Ausbildung und weiteren Sprachenlehrer/innen zusammen. Kolleg/innen aus anderen Fachschaften stoßen punktuell dazu und ergänzen die Arbeit der Sprachenlehrer/innen.
Fortbildungen der Universität Vechta wurden von einzelnen Kollegen besucht. Anmeldungen für weitere Fortbildungen liegen vor, weiterer Fortbildungsbedarf wird erhoben und der Besuch solcher gefördert.
Unterstützung erfährt die Arbeitsgruppe vom örtlichen eingetragenen Verein „Lebenswege begleiten“ und einer Kollegin von der VHS.
Aufnahmegespräche und/oder weitere Gespräche werden in den ersten Wochen von den Jugendlichen unserer Schule begleitet, die die Erstsprache der Flüchtlingskinder sprechen können. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass der Beginn des Schulbesuches gelingt.
Eine weitere Kraft im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres ist angefragt.

Organisation der Sprachlernklasse:

Aufnahme:

Nach Feststellung der deutschen Sprachkenntnisse im Rahmen des Aufnahmegesprächs und anhand geeigneter Unterlagen werden die Schüler/innen der Sprachlernklasse zugeordnet und erhalten möglichst in dem Schuljahrgang, der ihrem Alter und bisherigen Schulbesuch entspricht, eine Gastklasse, die sie zunächst punktuell und nehmen später zunehmend besuchen sollen.
Schüler/innen aus den Schuljahrgängen 5-11, welche von Lebenswege begleiten e.V. geschult wurden, übernehmen individuelle Patenschaften. Hierbei werden Alter, Geschlecht, Klasse und Wohnort berücksichtigt.
Unterricht in der SpKl:
Die Schüler/innen erhalten vor allem Unterricht in Deutsch (Kommunikation, Grammatik, Wortschatz etc.). Zur Vorbereitung auf den anschließenden Regelunterricht werden den Schüler/innen sprachsensibel Grundlagen in Mathematik, Gesellschaft und Natur (Biologie) vermittelt. Dabei werden die drei Aufgabenfelder berücksichtigt.
Der Unterricht findet jahrgangsübergreifend in einer Lerngruppe statt. Ab August 2016 entsteht eine zweite Sprachlernklasse.
Um der großen Heterogenität und den verschiedenen Bedürfnissen der Schüler/innen Rechnung zu tragen, findet z.T. Unterricht in kleineren Gruppen und z.T. mit zwei Lehrkräften statt. Ein großer Teil der Lernzeit ist als Werkstattlernen organisiert. Die Schülerinnen und Schüler können so von ihrem individuellen Lernstand ausgehend in ihrem eigenen Tempo arbeiten und ihre Kompetenzen erweitern, wobei sie von den Lehrkräften intensiv begleitet werden.
Zurzeit wird in der SpKl das Lehrwerk Magnet neu verwendet, unterstützt mit vielfältigem zusätzlichem Unterrichtsmaterial.
Schüler/innen, die in ihrer Herkunftssprache nicht alphabetisiert wurden, erhalten einen Alphabetisierungskurs. Hier wird das Lehrwerk Alpha plus neben zahlreichen Kopien genutzt.
Außerdem werden kleine Ausflüge in der Gruppe zur Erkundung der Schulumgebung, Verzahnung der Unterrichtsinhalte mit Lebensweltbezug (Themenfelder Ernährung, Kleidung, Einkaufen, Umwelt & Verkehr etc.) unternommen.

Methoden:

Der Unterricht in der SpKl muss binnendifferenziert sein, um der Heterogenität der Lerngruppe zu entsprechen. Möglichkeiten bieten hierfür:
- individuelle Arbeitspläne
- Wochenpläne
- Gruppen– und Einzelarbeit
- Arbeit mit und am Computer (als Hörmodul)
- Texte zum Lesen und zur Schulung der Aussprache (Phonetik)
- Arbeit an und mit Liedern und Gedichten
- Arbeit mit Bildkarten und Symbolen
- Rollenspiele
- Sprachspiele
- Unterrichtsgänge in den Ort, Exkursionen

Leistungsmessung in der SLK:

Zur Ermittlung der individuellen Lernentwicklung (ILE) werden Beobachtungen und regelmäßige Lernstandskontrollen durchgeführt, die bepunktet, jedoch nicht benotet werden. Der individuelle Lernfortschritt wird regelmäßig in den ILE-Bögen dokumentiert. Dies erleichtert den Übergang von der Gastklasse zur Regelklassen oder eventuell in eine andere Schule.

Verzahnung mit der Regelklasse:

In der Regel verbeiben die Schülerinnen und Schüler maximal ein Jahr in der Sprachlernklasse, bevor sie ganz in die Regelklassen wechseln. In begründeten Ausnahmefällen kann der Verbleib in der Sprachlernklasse auf bis zu zwei Jahre ausgedehnt werden.
Nach der Eingewöhnungsphase, während derer die Schüler/innen punktuell in ihrer Gastklasse sind, den Großteil des Schultages jedoch in der SpKl verbringen, sollen sie im neuen Schuljahr am Unterricht in den praktischen und musisch-künstlerischen Fächern teilnehmen. Dies wird die Stundenplaner vor besondere Herausforderungen stellen.
Wegen der besonderen Bedeutung der englischen Sprache sollen vor allem die jüngeren Schüler/innen am Englischunterricht der Gastklassen teilnehmen, und sollen wenn möglich auch eine zweite Fremdsprache, z.B. Französisch oder Latein erlernen. In diesen Fächern können die Schüler/innen auch an den Leistungsmessungen teilnehmen.
Die Anzahl der Unterrichtsstunden in der Gastklasse wird je nach Lernfortschritt individuell gesteigert. Während der Zeit in der Sprachlernklasse erhalten die Schüler/innen am Ende jedes Halbjahres einen Lernentwicklungsbericht aus der SpKl (s.o.) sowie ein Zeugnis aus der Gastklasse, auf dem diejenigen Fächer benotet sind, an denen sie teilgenommen haben.
Die Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler wird im Sinne der durchgängigen Sprachbildung nicht nur im Deutschunterricht erweitert, sondern als Aufgabe jeden Unterrichts verstanden. Eine Integration in die Schulgemeinschaft erfolgt auch über die Möglichkeit in den wöchentlichen Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen bzw. sich in reguläre Projekte der Projektwoche einzuwählen.

Verzahnung mit der Schulgemeinschaft:

Das Patenmodell „Schüler begleiten Flüchtlinge“ wurde mit der Ankunft der ersten Schülerinnen und Schüler aus nichtdeutschen Herkunftsländern ins Leben gerufen. Das Projekt wird sowohl von der Schulleitung, als auch von der Schülervertretung, dem örtlichen Verein „Lebenswege begleiten e.V.“ und den freiwilligen Schülerinnen und Schülern aller Altersgruppen getragen.
Ziel des Projektes ist es Willkommensrituale zu entwickeln, außerunterrichtliche Angebote zur Begegnung im schulischen Umfeld anzubieten und insgesamt den interkulturellen Austausch zu pflegen und die Integration in die Schulgemeinschaft zu unterstützen.

Nächste Arbeitsschritte:

- Verabschiedung des Konzeptes im Rahmen einer Gesamtkonferenz
- Aufbau der Elternarbeit
- Suchen und FInden von weiteren unterstützenden Kräften
- Start ILE
- Aufbau der Elternarbeit
- Organisation der Überprüfung des Sprachstandes

vorgelegt von JM. Döhl, L. Peitzmeier