Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage

2015 entschied die Schulgemeinschaft, dass das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen eine Schule ohne Rassismus, eine Schule mit Courage ist. Dafür unterschrieben 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler die nötige Selbstverpflichtung.

Sebastian Ramnitz von der bundesweiten Organisation „Schule ohne Rassismus“ überreichte die Urkunde im vollbesetzten Forum und der von den Schülern gewählt Walter Bellingrodt trat sein Patenamt an.

Schuljahr 2016/17

Die Projektgruppe, an der ungefähr 15 Schülerinnen und Schüler aktiv teilnehmen, trifft sich wöchentlich, um weitere Vorhaben zu planen und die Arbeit inhaltlich auszugestalten.

Einzelne Schülerinnen und Schüler setzen in ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte.

So bereitete die Gruppe im Schuljahr 2016/2017 die Projektwoche des gesamten Gymnasiums vor, indem sie verschiedene Workshopideen sammelte und mit Materialien versah.

Zudem gibt es z.B. die Willkommens-AG, die die Integration der Flüchtlingskinder in die Schulgemeinschaft mit spannenden außerunterrichtlichen Aktivitäten vorantreibt.

Ein weiteres Projekt der Gruppe unter Federführung der Schülerin Jalain Scharbert konzentriert sich auf die Umsetzung der Stolperstein-Initiative in Bruchhausen-Vilsen.

Das aktuell aufwendigste Vorhaben der AG ist die Organisation eines Rockkonzertes unter dem Motto TurnUp4Tolerance am 20. Mai 2017. Vier Bands spielen für Toleranz und gegen Rassismus, Homophobie und anderweitig ausgrenzende Ansichten und Ideologien.
Das Projekt wird mit Mitteln aus dem niedersächsischen Landesprogramm „Demokratie und Toleranz“ gefördert und soll ein lautstarkes Zeichen dafür setzen, dass Bruchhausen-Vilsen ein sowohl lebenswerter als auch offener und toleranter Ort ist. Alle Interessierten – ob jung oder alt – sind eingeladen, sich daran zu beteiligen.

Aus der Presse:

Gymnasiasten setzen Zeichen gegen Rechts – aus der Kreiszeitung (1/2017)

Die rund 15 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Schule ohne Rassismus“ des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen haben dieses Jahr einiges vor: Sie organisieren gerade ein Konzert mit mehreren Bands und wollen ihr Projekt „Stolpersteine“ voranbringen.

Das Konzert soll am Sonnabend, 20. Mai, gegen Abend in der Mensa-Halle des Schulzentrums, Auf der Loge 5, beginnen. „Wir planen mit ein bis zwei bekannteren Bands, aber auch mit weniger namhaften Gruppen zum Beispiel aus der Region“, sagt AG-Mitglied Luka. Der Zwölftklässler erzählt, dass er und seine Mitstreiter einige Acts angefragt hätten, das aber noch keiner endgültig feststehe. „Wir wollen viele Leute mit dem Konzert erreichen. Somit müssen wir Gruppen haben, die vielen Menschen gefallen“, sagt Luka.

Das Ziel des Konzerts sei es, ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt zu setzen. „In diesem Jahr ist in Deutschland Bundestagswahl. Weltweit ist ein Rechts-Ruck zu beobachten. Das Konzert soll dieser Tendenz mit Musik entgegenwirken“, sagt Luka. Zu der Veranstaltung dürfen alle Interessierten jeglichen Alters kommen mit Ausnahme von Personen, die rassistische oder radikale Ansichten vertreten.

Damit das Konzert stattfinden kann, sucht die AG Sponsoren. „Uns ist jede Spende willkommen“, sagt Jalain aus dem zwölften Jahrgang. Und Mitschüler Nils fügt hinzu, dass es Spendenbescheinigungen geben wird. Potenzielle Geldgeber erhalten weitere Infos per E-Mail an schuleohnerassismusbruvi@gmail.com. „Es wird zudem einen geringen Eintritt zu dem Konzert geben, damit wir unsere Kosten decken können“, sagt Luka.

Ein eventueller Gewinn des Konzerts soll an die Stolperstein-Initiative gehen, das zweite Projekt der AG. Den Schülern ist es wichtig, die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig zu unterstützen. Er versucht, an die Opfer der NS-Zeit zu erinnern, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing, die sogenannten Stolpersteine, in den Gehweg einlässt. Auf jedem Stein steht der Name des NS-Opfers, das Geburtsdatum und wenn bekannt das Todesdatum. Die Herstellung und Verlegung eines Denkmals kostet 120 Euro. Inzwischen liegen solche Gedenktafeln in rund 1. 100 Orten Deutschlands und in circa 20 weiteren Ländern Europas – Bruchhausen-Vilsen soll bald auch auf der Liste stehen.

„Die Stolperstein-Initiative setzt sich dafür ein, dass die Opfer der NS-Zeit nicht vergessen werden“, sagt Jalain. Sie freue sich besonders darauf, dass sich während der nächsten Projekttage der Schule einige Gymnasiasten damit beschäftigen werden, die Daten der aus Bruchhausen-Vilsen stammenden NS-Opfer aufzuarbeiten. „Wir wissen von einigen, die einst hier wohnten und von den Nazis ermordet wurden“, sagt Jalain. Im Bundesarchiv sei von neun deportierten Juden aus Bruchhausen-Vilsen die Rede, eine andere Quelle spreche von 18. Weitere Recherchen seien daher erforderlich. Aus diesem Grund stehe die AG mit dem Samtgemeindearchiv Bruchhausen-Vilsen in Verbindung. Jalain bittet alle Bürger darum, sich über oben genannte E-Mail-Adresse zu melden, um noch mehr über NS-Opfer aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen zu erfahren.

„Das sind zwei große Projekte, die viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen“, sagt Luka. Daher wollen er und seine Mitstreiter sich erst einmal darauf konzentrieren, bevor sie weitere Ideen in Angriff nehmen.

Den Mitgliedern der AG „Schule ohne Rassismus“ ist es wichtig, sich gegen Diskriminierung und rechte Tendenzen einzusetzen. Schüler des fünften bis zwölften Jahrgangs, die sich ebenfalls engagieren möchten, können der AG beitreten. Zurzeit gehören der Gruppe Neunt- bis Zwölftklässler an. Sie treffen sich immer montags in der zweiten großen Pause im Raum der Schülervertretung. „Wenn Bedarf ist, sehen wir uns auch öfter“, sagt Luka. Er betont, dass Interessierte gerne zu den Meetings hinzukommen dürfen.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein europaweit agierendes Demokratie-Netzwerk, um dessen Aufnahme sich Schulen bewerben können. Das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen gehört dem Verbund seit Mai 2016 an. Es setzt sich seitdem verstärkt gegen Diskriminierung insbesondere in Form von Rassismus ein. Mit dem Erhalt des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat sich das Gymnasium dazu verpflichtet, einmal im Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchzuführen. 2017 organisiert die AG „Schule ohne Rassismus“ ein Konzert. Die Mitglieder der AG sind mit dafür verantwortlich, dass das Gymnasium die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ erhalten hat.