Schulbrücke Weimar 2015

Am 05. Juni 2015 machten sich sieben Schülerinnen des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen und ihre Lehrerin Frau Büscher auf den Weg nach Weimar, um dort für eine Woche an der alljährlichen Schulbrücke teilzunehmen.
Die Schulbrücke Weimar ist eine Projektwoche, die in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugend-Begegnungsstätte in Weimar, kurz EJBW, stattfindet und an der jugendliche Schüler aus unterschiedlichen Ländern wie der Slowakei, Italien, Deutschland und auch Frankreich teilnehmen. In dieser Woche arbeiten die Schüler mit literarischen Texten. Sie analysieren, untersuchen, diskutieren und hinterfragen selbstständig in Gruppen und setzen sich so mit Themen und tiefgründigen Fragen auf erhöhtem Niveau auseinander. Zudem gehören Stadterkundungen, der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald, Vorlesungen und weitere Aktionen dazu.

Als wir am Freitag in der EJBW ankamen, wurden wir von allen Seiten freundlich begrüßt. Schon ab der ersten Minute konnte man die freundschaftliche Atmosphäre, die in der Runde herrschte, spüren. Neben unserer Schule waren noch Jugendliche aus Presov, Berlin, Meran und Garbsen dort. Unsere Zimmer teilten wir uns mit Schülern einer anderen Schule als unserer, was im ersten Moment noch für ein wenig Nervosität sorgte. Doch binnen eines Tages verstand man sich bereits prima und hatte neue Freundschaften geknüpft. Gleich am ersten Abend, als vom Programm Freizeit vorgesehen war, setzten wir uns mit allen Jugendlichen auf eine Wiese, spielten Gitarre, sangen gemeinsam und redeten bis in den späten Abend hinein. Die Gemeinschaft, die innerhalb dieser Woche entstand, prägte sowohl die gemeinsame Arbeit und Auseinandersetzung mit den literarischen Texten als auch das freundliche Miteinander bei dem jeder dazu gehörte.
Am Samstag startete der Tag mit einer Stadterkundung, bei der alle Teilnehmer in kleinere Gruppen unterteilt wurden und kleine Aufgaben zu ihrer jeweiligen Station erhielten. So wurden u.a. das Goethe Wohnhaus, das Schiller Wohnhaus, der Theaterplatz, die Herderkirche und die Anna Amalia Bibliothek erkundet. Am Nachmittag folgte ein Stadtrundgang, bei dem jede Gruppe ihre Ergebnisse vorstellte. Schon hier fiel auf, wie frei jeder sprechen konnte und dass jedem interessiert zugehört wurde. Am Abend schloss dann das internationale Büfett an, bei dem jede Schule etwas aus ihrem Heimatort Typisches zu essen oder zu trinken beisteuerte. Gereicht wurde geräucherter Käse aus der Slowakei, Leibnizkekse und Bier aus Garbsen, Wurst aus Meran, Berliner Weiße aus Berlin, Vilsa Getränke von unserer Schule und viele weitere Köstlichkeiten.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in das KZ Buchenwald. Dort wurde uns ein kurzer Film gezeigt, der den Hintergrund des KZ erklärte und die Verhältnisse in der damaligen Zeit thematisierte. Von einem Guide wurden wir dann in Gruppen über das Gelände geführt, der uns Frage und Antwort stand. Was allen besonders gefiel, war, dass mit dem ehemaligen KZ Buchenwald als Gedenkstätte auf eine sehr respektvolle Art und Weise umgegangen wird. Denn es wurde ein Gedenkstein angefertigt, auf dem alle Ländernamen von inhaftierten Insassen stehen, welcher sich zu jeder Jahreszeit entweder auf 38 Grad Körperwärme erwärmt oder herunterkühlt. Dieses Gedenken an einem Ort von grauenhafter Geschichte war für alle Teilnehmer ein sehr emotionaler Augenblick. Eine Geschichte, die uns eine Berliner Lehrerin dazu erzählte, war für viele persönlich der emotionalste Moment in der gesamten Zeit: An dem Tor, welches die damaligen Insassen davon abhielt, frei zu sein, steht der Schriftzug „Jedem das seine“. Was die Nationalsozialisten damals als Hetze gegen die Häftlinge gedacht hatten, beinhaltet jedoch viel mehr als das. Die Schriftart, in der der Satz verfasst ist, gehörte zum Bauhausstil, welcher damals als entartete Schrift galt. Die Insassen, welche diesen Schriftzug selber schmieden mussten, wählten diese Schrift, um ein von den Nazis unbeachtetes Statement zu setzen. Sie sahen es als Hoffnungsschimmer, als Aufmunterung. Eines Tages würden sie hier herauskommen und frei sein. Und eines Tages würde jeder seine gerechte Strafe bekommen. Zahlreiche Erkenntnisse und Eindrücke reicher wanderten wir anschließend auf eine höher gelegene Lichtung, auf der wir alle in einem Kreis Platz nahmen und darüber sprachen. Es war sehr angenehm, über diesen emotional aufwühlenden Tag im Kreise aller zu reden und sich auszutauschen.
Die weiteren Tage wurde auf das Ziel hingearbeitet, in kleinen Gruppen zu bestimmten Themen Material für einen gemeinsamen Zeitstrahl zu erarbeiten und zu sammeln. Es gab Gruppen, wie beispielsweise Mode in der Weimarer Klassik, Bergbau, Münzgeld, Haushalt, soziale Strukturen oder Arbeit. Jeder Gruppe wurde Material zum jeweiligen Thema gegeben und dann, anders als in der Schule, die Art und Weise der Bearbeitung freigestellt. Es konnte selbst entschieden werden, wie man sein Thema anschaulich zusammenfassen und am Zeitstrahl vorstellen kann. Anschließend sollte noch eine fünfminütige Präsentation der Gruppen stattfinden, bei der alle ihr jeweiliges Thema in der aus ihrer Sicht geeignetsten Form darstellen. Es wurden selbst komponierte Lieder gesungen und Dialoge, eigene Gedichte und Kurzgeschichten vorgetragen. Alles in allem entstand ein großes Mosaik aus bunten Ergebnissen, zu dem jeder einen großen Teil beitrug. Der Zeitstrahl erstreckte sich über eine gesamte Wand und musste durch die Menge an zusammengetragenen Informationen noch erweitert werden. Unser Teamer Frithjof Reinhardt fasste alles gelungen zusammen: „Ihr habt hier etwas Großes geschaffen, worauf ihr stolz sein könnt.“ Am Anfang hatte er die Frage aufgeworfen, zu welcher Kultur wir uns entwickeln würden. Zu einer, die den Schwerpunkt auf sich oder auf alle lege? Und an diesem Zeitstrahl könne man sehen, was Wunderschönes in gemeinschaftlicher Arbeit entstehen kann, zu der dennoch jeder seinen individuellen Teil beitragen kann.
Diese Woche kurz zusammenzufassen, fällt nicht leicht. Man hat so viele neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die einen auch im weiteren Leben begleiten werden. Freundschaften wurden geschlossen, der Blick für viel Neues erweitert, andere Betrachtungsweisen kennen gelernt und vieles mehr. Man hat gelernt kritisch zu hinterfragen, sich öfter als zuvor seiner Kreativität zu bedienen, auf einer sachlichen und zugleich spaßigen Ebene zu diskutieren und miteinander zu wirken.
Ein großer Dank geht an die Teamer Frithjof Reinhardt, Thomas von der Gönna und Annika Friedrich, durch die das gesamte Programm spannend und abwechslungsreich gestaltet wurde und welche immer ein offenes Ohr hatten. Ebenfalls vielen Dank an die Lehrer, die in dieser Woche mehr Freunde als Lehrkräfte waren und das alles ermöglicht haben.

Verfasserin: Alina Pleuß (11. Schuljahrgang)

Schulbrücke Weimar 2015

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